Montag, 15. Januar 2018

Püchau

Einwohner: 309
Geburtstag: 924 (schriftliche Ersterwähnung)
Bekannt für: ein nahezu biblisches Alter



Bei aller ästhetischen Kritik, die ich an Architektur und Kunstwerken aus der Zeit des Historismus habe, gibt es zum Glück immer wieder Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist das Schloss Püchau im gleichnamigen Ort. Schon im Jahr 924 befand sich auf dem dortigen Bergsporn eine Burg. In ebendiese flüchtete, laut der Chronik Thietmar von Merseburgs, Heinrich I. vor einfallenden ungarischen Truppen. Die Nennung der „urbs bichni“ macht Püchau damit zum am frühesten schriftlich belegten Ort Sachsens.
In den folgenden Jahrhunderten gehörte der Besitz Püchau vielen unterschiedlichen adeligen Familien. Für die bauliche Entwicklung des Schlosses waren vor allem die Geschlechter derer von Bünau und von Hohenthal maßgebend. Unter letztgenannten erhielt das Gebäude im 19. Jahrhundert seine heute noch sichtbare Gestalt im Neo-Tudor-Stil.
Nach der Enteignung des Schlosses im Jahr 1945 begann eine Nutzungsgeschichte, die sich kaum von der anderer Schlösser in der ehemaligen DDR unterschied. Es wurde als russische Kommandantur, Flüchtlingsheim und bis 1995 als Alten- und Pflegeheim genutzt. Seit 1998 befindet es sich Privatbesitz und wird mit viel Liebe und Engagement restauriert. (An dieser Stelle könnten sich andere Schlösser, die leise vor sich hin verfallen, und deren Besitzer mal wieder ein Beispiel nehmen.)
Trotzdem es wieder instandgesetzt wird, wirkt es doch wie ein verwunschenes Dornröschenschloss. Der markante Wendelstein und der Wehrgang mit Zinnen tragen zu diesem Bild ebenso bei, wie das Innenleben des Schlosses. Wenn man durch die Räume streift, hat man das Gefühl jeder Vorbesitzer hat etwas hinterlassen. Und damit meine ich nicht nur in architektonischer Hinsicht. Dort liegt echt viel… Krempel. Das ist auf keinen Fall missbilligend gemeint oder im Sinne von unordentlich (beim Thema „Ordnung halten“ weise ich auch keine maßgebende Fachkompetenz auf). Alles wirkt einfach sehr authentisch und auf charmante Weise gruselig. Ich hoffe sehr, dass dieser märchenhafte Charakter auch nach der vollständigen Wiederherstellung erhalten bleibt, da er einen großen Teil der Wirkung des Schlosses ausmacht.



Die Heinrichsburg aus dem 16. Jahrhundert.


Über dem sog. "hohen Turm" sind eine Statue Heinrichs I. und eine Inschrifttafel angebracht. Auf der Tafel steht der Auszug aus Thietmars Chronik über Püchau.


Von 1833 bis 1835 wurde der Landschaftspark im englischen Stil umgestaltet und eignet sich sowohl im Sommer...

...als auch im Herbst für einen Spaziergang.
Stein mit Wappen der Familien von Bünau und von Selmnitz

💚💚💚

Historischer Abriss des Schlosses

924
in der Chronik Thietmar von Merseburgs wird Püchau als Fluchtort Heinrichs I. erwähnt
ab 1040
im Besitz der Bischöfe von Meißen
1397–1441
im Besitz der Familie von Heynitz
1441–1508
im Besitz der Familie von Spiegel
1508–1524
im Besitz von Johann von Saalhausen
1524–1533
im Besitz der Familie von Canitz
1533–1637
im Besitz der Familie von Ende
1637–1667
im Besitz der Familie von Taube
1667-1807
im Besitz der Familie von Bünau
1807-1945
im Besitz der Familie von Hohenthal
19. Jahrhundert
umfassender Neugestaltung durch die Architekten Oskar Mothes und Constantin Lipsius
1912
eine Windhose verwüstet Dorf und Schloss
1948-1995
Nutzung als Alten- und Pflegeheim
ab 1998
in Privatbesitz



Die Decke des hohen Turmes



An diesen beiden Fotos (oben 2015, unten 2017) kann man sehen, dass es im Schloss vorangeht. Der Raum mit den gruseligen Schaufensterpuppen ist inzwischen ein bisschen weniger gruselig. Oder etwa nicht?

Was gibt’s noch zu sehen?

Die Peterskirche




Schon im 10. Jahrhundert stand wohl eine Sankt Peter geweihte Kapelle auf dem heutigen Kirchberg. Der Bau aus dem 16. Jahrhundert wurde 1868 bis auf den Kirchturm abgerissen. Die Einweihung des Neubaus erfolgte 1869.


Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahr 1595.

Sonntag, 31. Dezember 2017

Meißen

Einwohner: 27.936
Geburtstag: um 926
Bekannt für: viel Porzellan & wenige Elefanten



Wie bekannt ist Meißen eigentlich außerhalb des Geschirrschranks? Jeder kennt die berühmten Schwerter, aber ist die Stadt, aus der sie kommen, auch berühmt? Diese Fragen begleiteten mich bei meinem Besuch. Als Ergebnis stellte sich zum einen heraus, dass Meißen bei Besuchern aus aller Welt beliebt ist, was man auch an der wunderschönen erhaltenen historischen Altstadt erkennen kann. Zum anderen ist diese Stadt an einem einzigen Tag gar nicht vollständig zu erkunden. Wenn man sie besucht, kann man sich schon zwei oder drei Tage gönnen.



Die augenfälligste Sehenswürdigkeit ist wohl die Albrechtsburg, die sich an der Elbe erhebt und zu jeder Tages- und Nachtzeit eine beeindruckende Silhouette zeigt. Die heutige Burg aus dem Jahr 1471 erhebt sich auf einem Felsen zwischen den Flüssen Elbe, Triebisch und Meisa. Mit auf dem Burgberg ist der Dom zu finden, denn im Jahr 968 wurde dort ein Bistum gestiftet. Im Jahr 1089 wurde der Wettiner Heinrich I. mit der Markgrafschaft Meißen belehnt und die Stadt wurde zum Mittelpunkt des wettinischen Herrschaftsgebiets. Natürlich erlebte die Burg verschiedene bauliche Veränderungen. Sie gilt durch ihre spätgotische Umgestaltung (1471-1525) als erster Schlossbau in Deutschland. Ihren Namen erhielt die Albrechtsburg von ihrem Herrn und Erbauer Albrecht dem Beherzten, der die albertinische Linie begründete. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg so stark beschädigt, dass sie von da an leer stand. Erst Friedrich August I. ließ ihr wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen, denn er suchte einen geeigneten Ort für eine Porzellanmanufaktur. Ab 1710 wurde Meißen bekannt als Produktionsstätte des weißen Goldes. Im Jahr 1863 wurde die Produktion aus dem Schlossgebäude an den noch heute bestehenden Standort verlegt. Die Albrechtsburg war durch die Benutzung als Fabrikgelände ziemlich heruntergewirtschaftet und vom Glanz einer Fürstenresidenz - zumindest innen - weit entfernt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts restaurierte man das Schloss und versuchte das gotische Grundkonzept wieder herauszuarbeiten. Aus dieser Zeit stammen die noch heute zu besichtigenden historisierenden Wandmalereien. Über die Ästhetik des Historismus habe ich mich im Beitrag über die Wartburg schon genug ausgelassen, deshalb unterlasse ich es an dieser Stelle. So furchtbar sind die Darstellungen nun auch nicht. Abgesehen von den Figuren in der Großen Hofstube. Die waren dann doch zu viel, oder um aus dem Einführungsfilm der Burg zu zitieren: „ein patriotischer Fantasy-Comic.“

Liebenstein (Rundturm)


Hoffassade mit Großem Wendelstein

Großer Saal


 
Große Hofstube

Heinrich I.
(Der oft als erster deutscher König bezeichnet wird. Aber nur, weil man etwas oft wiederholt, wird es nicht wahr. Fragt einfach mal einen Mediävisten eures Vertrauens.)


Meißen wird oft als "die Wiege Sachsens" bezeichnet. (So, da hast du's Dresden.)


Große Appelationsstube


Die Decke der Kammer zur Ratsstube 
Der Ort, der alle Menschen gleich macht.



Das obere Ende des Großen Wendelstein

Verbinderbau


Was gibt es noch zu sehen? (eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Der Dom zu Meißen



ehemalige Domprobstei

Das Bistum wurde 1539 aufgelöst. Der Dom ist seit 1581 eine lutherische Kirche und das Domkapitel besteht bis heute.

Das Rathaus



Das 2001 sanierte Gebäude wurde in den Jahren 1472-1486 im Stile der Spätgotik erbaut.

Die Frauenkirche



Die Kirche wurde im Jahr 1205 erstmals urkundlich erwähnt.

Das Pfarrhaus





Es wurde 1913/14 erbaut. Der Erker wurde mit einem Relief verziert, das Jesus mit seinen Jüngern zeigt.

Das historische Weinhaus „Vincenz Richter“


Es wurde 1523 als Innungshaus der Tuchmacher erbaut. 1873 wurde es von Vincenz Richter erworben und befand sich von da an in Familienbesitz.  

Altes Brauhaus


Es wurde 1460 erstmals urkundlich erwähnt und um 1570 im Renaissance-Stil umgebaut.

Eine sehr interessante Ausbeute an Fassadentierchen.
Immer stabil bleiben, Meißen!